Ich schlafe aus und kann mich wegen des kalten Zimmers nicht wirklich aus dem Bett bekommen. Nach einiger Planung beschliesse ich, den nahe gelegenen Mount Iron zu bezwingen - ein relativ kleiner Berg, der komplett zu Fuss erreicht werden kann. Ich nehme einen Umweg und mache ein paar Panoramafotos an einem Aussichtspunkt in der Stadt.
Rundblick auf Wanaka vom Monument Viewpoint.
Der eigentliche Wanderweg ist aehnlich einfach wie der Abel-Tasman, fuehrt aber durch Tannen und Laubbaeume - ein fuer mich mittlerweile ungewohnter Anblick. Nach ca. einer Stunde erreiche ich die Spitze und fuehle mich (wieder) in die Schweiz versetzt: ein 360-Grad-Blick auf schneebedeckte Berge, fast wolkenloser Himmel und eine warme Sonne lassen mich entspannen. Ich setze mich hin und geniesse die Urlaubszeit...
Auf dem Rueckweg nehme ich einen Umweg und betrachte die Wohngegend am Huegel: teure Haeuser, grosse Autos und fast ueberall ist eine Yacht im Carport verborgen. Ich gehe ins Hostel, koche mir Spaghetti (ja, sehr kreativ) und begebe mich auf einen Spazierweg, der am See entlang fuehrt. An einem steinigen Ufer mache ich Halt, geniesse die Aussicht und schreibe dieses Tagebuch, waehrend leise kleine Wellen heranrollen.
Derart entspannt folge ich wieder dem Schotterweg, der zwischen bluetenreichen Straeuchern hindurch und an pompoesen Villen vorbei fuehrt. Ich gelange zu einem Kiesstrand, setze mich hin, geniesse den Sonnenschein und sonne mich vor diesem unglaublichen Panorama.
Nach etwa 2 Stunden entspannen und sonnen kehre ich zum Hostel zurueck, wo es heute hoch her geht. Irgendwie bin ich jedoch sehr muede gehe frueh schlafen.
Ich stehe wieder schon um 7:00 Uhr auf, fruehstuecke kurz und packe meine Sachen. Waehrend ich mit Yuki auf den Bus warte, schuettet es draussen wie aus Kuebeln. Eigentlich wollte ich heute nur eine kurze Fahrt zum nahegelegenen Fox-Gletscher unternehmen, aber bei diesem Mistwetter werde ich dort nicht viel zu sehen bekommen.
Daher schliesse ich mich kurzerhand Yuki bei der Fahrt nach Wanaka an; eine 6,5 stuendige Busfahrt. Wegen des argen Wetters gibt waehrend der ersten Haelfte nicht viel zu sehen und so doese ich vor mich hin. Dann ueberqueren wir das Gebirge an der Westkueste und bekommen schlagartig besseres Wetter. Nach einem Fahrerwechsel wird alles anders: der Busfahrer reisst laufend trockene Witze, erzaehlt nonstop Wissenswertes ueber die Gegend und liegt mit uns so gut in der Zeit, dass er immer wieder Halt macht, damit die Fluggaeste Fotos machen koennen.
Blick auf den Lake Hawea.
Der Lake Wanaka ist der viergroesste See Neuseelands und liegt direkt an einer Gebirgskette, auf der an vielen Stellen Schnee zu sehen ist.
Als der Bus in Wanaka haelt, laufe ich mit Yuki zu dem Hostel mit der besten Bewertung, checke ein und gehe anschliessend in die Stadt. Diese ist erstaunlich klein: es gibt 2 Supermaerkte, ein Kino, ein paar kleinere Cafes an der Hauptstrasse und eine ausgestorbene Mall. Dennoch ist der Ort sehr gepflegt und auch mit Touristen gefuellt, die am See entlang schlendern oder eine kleine Bootstour machen.
Die Stadt ist schnell erkundet und so beschliesse ich, noch ein paar Lebensmittel zu kaufen. In der TK-Truhe sehe ich Whitebait, denke an die Unterhaltung mit den Fischern aus Punakaiki und schlage zu. Im Hostel bereite ich mir dann eine Mischung aus diesen kleinen, wurmaehnlichen Fischen, 2 Eiern und Salz zu, brate sie und lege alles auf getoastetes Brot - koestlich! Wenn man die kleinen Fischaugen nicht sehen koennte, waere es bestimmt noch appetitlicher...
Dieses Hostel ist nicht besonders familiaer, liegt aber guenstig.
Eine empirische Studie zur demographischen Verteilung der Gaeste. :-)
Ich lerne Fiona (25 J.) und Kristina (24 J.) aus Deutschland kennen und haenge mit ihnen den restlichen Abend bis in die Nacht hinein auf einem grosssen Sofa mit Panoramablick auf den See herum.
Ich stehe um 6:50 Uhr (!) auf, fruehstuecke kurz und gehe dann mit Linda zum Wanderweg. Das Wetter sieht nicht gerade sehr vielversprechend aus: der Himmel ist grau und die Berge sind bereits jetzt wolkenverhangen.
Kein gutes Omen: selbst die kleinen Berge sind bereits wolkenverhangen.
Wir sind optimistisch und beginnen den 7-Stunden-Walk trotzdem. Der Weg fuehrt durch einen absolut mit Moos ueberzogenen Wald. Der Boden ist mit vielen Wurzeln gespickt und ziemlich aufgeweicht. Der dicht bewachsene Wald und ueber den Weg gebeugte Staemme geben ein fast schon fantastisches Bild ab. Dann erreichen wir den ersten Aussichtspunkt und stellen fest, dass wir uns ueber den Wolken befinden.
Umgestuerzte Baeume machen den Wanderweg interessanter.
Die Aussichten fuer Weihnachten sind noch unklar.
Es faengt an, erst leicht und dann immer staerker zu regnen, aber wir beissen die Zaehne zusammen und arbeiten uns bis zur Spitze des Berges vor. Hier gibt es nur noch schlichte Graeser und Schiefergestein. Am Ende des Weges und dem eigentlichen Aussichtspunkt sehen wir auch nur Wolken von oben. Da es mittlerweile kraeftig regnet, packen wir unsere Rucksaecke in Regenschutzfolie ein und treten den Rueckweg an, der durch den fortschreitenden Regen etwas gefaehrlicher geworden ist.
Dies sind Momente, in denen ich heilfroh bin, mich auf meine stabilen Wanderschuhe verlassen zu koennen. Um so verwunderter schauen wir auf die einzigen anderen Menschen (2 Niederlaenderinnen), die uns auf diesem Weg entgegenkommen und nichts anderes als lockere Sommerkleidung und Stoffballerinas tragen. Wieder im Hostel geniesse ich die heisse Dusche wie schon lange nicht mehr.
Da wir den Track in gerade mal 5 Stunden gelaufen sind, bleibt noch etwas Tageslichtzeit uebrig. Waehrend Linda loszieht, um doch noch einen Blick auf den Gletscher zu erhaschen, lerne ich Yuki (29 J., Japan) kennen und gehe mit ihr in die sehr ueberschaubare Innenstadt.
Wieder im Hostel goenne ich mir eine leckere Mahlzeit (es gab Lammfleisch im Angebot) und spiele dann mit Linda, Yuki und Lotte & Kuhn (ca. 28 J., Niederlande) bis in die Nacht hinein Jenga.
Lotte, Kuhn, Yuki und Linda beim Jenga-Wettbewerb.
Maarten und ich stehen bereits um 7:00 Uhr auf (und wecken dabei "versehentlich" die Franzosen), um einen guten Blick auf den Gletscher zu erhaschen. Noch ist die Wolkendecke an diesem Morgen nicht zu sehen. Wir bezahlen sogar einen kleinen Shuttle-Bus, damit uns dieser direkt zum Wanderweg "Alex Knob" bringt - ein Track, von welchem aus nach ca. 3,5 Stunden der Gletscher und das umliegende Gebirge von einem Gipfel aus gesehen werden kann.
Wir gehen munter los, doch nach ca. einer Stunde geht es Maarten (wieder) gar nicht gut und kehren wieder zum Parkplatz zurueck. Waehrend er per Anhalter zurueck zum Hostel faehrt, entscheide ich mich fuer einen anderen Wanderweg, der zu einer Gletscherplattform fuehren soll. Ich lege los und ueberhole bei einer der zahlreichen Haengebruecken Kathrin (23 J., Deutschland) und Jesper (26 J., Daenemark).
Die beiden sind jeweils ueber ein Praktikum bei der Botschaft nach Australien gelangt und machen nun in NZ fuer eine Woche Urlaub.
Ich gehe alleine weiter und beginne, das Profil des Wanderweges zu bewundern: ein schmaler Pfad, der sich durch einen Regenwald schlaengelt und mit interessanten Kletterpartien sowie Wasserfaellen und Flussueberquerungen aufwartet.
Ausserdem bieten Haengebruecken und am Abgrund entlang fuehrende Holzstufen eine angenehme Abwechslung.
Das Vogelgezwitscher ist lautstark, vielseitig und voellig anders als in Deutschland. Vor allem ein lang anhaltender Schrei mit einem folgenden "Lachen" sticht charakterstark hervor.
Bei einem Aussichtspunkt mache ich fuer ein paar Fotos Halt - und trete beim Weiterlaufen beinahe auf einen Papagei! Dieser ist ein Kea und beginnt, mich wuetend anzuschreien. Nach ca. 10 Minuten hat er sich beruhigt und nagt (mich beobachtend) an ein paar Straeuchern herum. Dann huepft er auf mich zu und wartet. Ich halte ihm ein kleines Stueck Toastbrot mit Erdnussbutter hin, welches er mir nach kurzem Zoegern aus der Hand stibitzt. Waehrend ich ca. 40 Minuten bei ihm sitze, bemerke ich seinen etwas strengen Geruch (wie im Zoo!).
Gerne im Mittelpunkt: der Kea.
Als Kathrin und Jesper auch den Fleck erreichen, huepft er zu ihnen, um dort wieder Mittelpunkt der Show zu werden. Ich folge wieder dem Weg, der immer steiniger, steiler und vor allem rutschiger wird. Ein Wasserlauf hat hier ueber Jahrtausende hinweg den Felsboden perfekt glatt gewaschen und das feuchte Moos ist auch nicht gerade eine Hilfe. Ich schaffe es irgendwie, nur einmal hinzufallen und gelange (durch die stete Anstrengung und Konzentration gut schwitzend) zur 650 ueber dem Meeresspiegel befindlichen Plattform, von der aus ich einen tollen Blick auf den Gletscher, einen grossen Wasserfall und die umliegenden Berge habe.
Nach ca. 30 Minuten treffen auch Kathrin und Jesper ein, mit denen ich im gemuetlichen Tempo den Rueckweg antrete. Es regnet leicht und so ist der Weg an vielen Stellen noch rutschiger. Wir rutschen teilweise im Sitzen auf den steilen Steinhaengen hinab und Kathrin schafft es irgendwie, zweimal in einer Pfuetze/einem Bach zu landen. :-)
Die beiden nehmen mich mit ihrem Auto zu ihrem Hostel mit. Gemeinsam gehen wir (wieder) in die kleine Bar, wo es jedoch um 19:30 Uhr noch recht zivilisiert zugeht. Wieder im Hostel lerne ich Linda (28 J., Deutschland) kennen und verabrede mich mit ihr fuer die Wandertour, die ich heute eigentlich mit Maarten vorhatte.
Ich stehe frueh auf und gehe zum 10m entfernten Strand, um Bine telefonisch zum Geburtstag zu gratulieren (nach meiner Zeitrechnung hatte sie bereits gestern Geburtstag). Es ist relativ windstill und bereits etwas warm, sodass ich den Strand entlang spaziere und der Brandung lausche.
Unterwegs treffe ich zwei Fischer, die mit engmaschigen Netzen Whitebait fangen - kleine, weisse Fische, die oft leicht zusammengepresst im Ganzen gegessen werden. Einer der Fischer erzaehlt mir u.a. von einer besonders guenstigen Art der Unterkunft: wenn er ins Ausland reist, tauscht er fuer diese Zeit Haus und Auto mit der jeweils anderen Familie aus dem Urlaubsort.
Dann verraet er mir noch, wann ich heute am Besten bei den Pancake Rocks sein sollte, um um die Blowholes in Aktion zu sehen.
Ich laufe zurueck ins Hostel, fruehstuecke und gehe dann mit Rike, Sven und Miguel noch einmal zu den Pancake Rocks. Mit der Flut hat sich sowohl das Erscheinungsbild als auch die Akustik veraendert: jede Welle kuendigt sich mit einem tiefen Grollen an. Nach kurzer Wartezeit ist es soweit: die Blowholes werden aktiv: gigantische Gischtexplosionen fuellen das Bild und werden von einem kurzzeitigen Regenbogen begleitet, der sich in dem feinen Wasserdampf abzeichnet.
Dieses Blowhole gibt sich mit einer stattlichen Wasserdampfsaeule zufrieden.
Das Naturschauspiel ist gut besucht und jeder versucht, ein perfektes Foto zu erhalten.
Als waere dieses Naturschauspiel noch nicht genug, bruellt eine junge US-Amerikanerin neben mir "A SEAL!" Es ist aber keine Robbe, sondern eine Gruppe von ca. 8 Delfinen, die in den Wellen spielen.
Leider tauchen auch diese Delfine immer nur unberechenbar auf, sodass mir erneut kein Foto gelingen will.
Dann draengt die Zeit. Wir holen unser Gepaeck, steigen in den Bus und fahren weiter suedwaerts.
Rike bleibt mit Sven in einem kleinen Vorort zurueck, waehrend ich mit Maarten bis zum Franz-Josef-Gletscher fahre. Mein neugieriger Blick auf den beruehmten Gletscher wird durch eine dichte Wolkendecke behindert.
In dem kleinen Ort checken wir in das bislang guenstigste Hostel ein: 21 NZD fuer ein 4-Bett-Zimmer und eine warme Gemuesesuppe gibt es auch noch kostenlos dazu. Im Hostel ist die Quote der Niederlaender erstaunlich hoch und so findet Maarten rasch Anschluss. Gemeinsam mit Matt (26 J., England) und einem hollaendischen Paerchen gehen wir in den einzigen Pub/Club dieses Orts und schauen den Partytouristen von KiwiExperience dabei zu, wie sie immer betrunkener und peinlicher werden. Als wir wieder ins Hostel zurueckkehren, erwartet Maarten und mich ein mit 3 Franzosen gefuelltes Zimmer, das (Moritz sagen wuerde) den "Geruch der Freiheit" wie eine Wand aus Kaesefuessen beinhaltet. Gute Nacht!
Um 7:00 Uhr faehrt die Hostelmanagerin Rike und mich zum Busbahnhof. Der Bus faehrt ca. 4,5 Stunden, waehrend der Busfahrer in jeder kleinen Stadt an der Weskueste anhaelt, um Post mitzunehmen oder abzugeben (natuerlich nicht, ohne jeweils mit trockenem Humor unbeirrt wirklich alles zu kommentieren).
Als wir in Punakaiki aussteigen, lernen wir Sven (24 J., Deutschland) und Maarten (20 J., Niederlande) kennen. Zusammen mit ihnen laufen wir zu unserem Hostel, das damit wirbt "zwischen Meer und Regenwald" zu liegen.
Wir checken ein und laufen dann gemeinsam los, um die Gegend zu erkunden. Wir entdecken eine kleine Hoehle und betreten sie. Es riecht etwas muffig, es ist stockdunkel und wir haben nur eine brauchbare Taschenlampe dabei. Da das Weitergehen ohne Licht zu gefaehrlich ist, bleiben Maarten und ich in dem Bereich zurueck, der noch eine Spur Tageslicht erhaelt, waehrend Rike mit Sven fuer 5 Minuten in der Dunkelheit verschwindet.
Danach gehen wir zu den Pancake Rocks - das ist eine Steinformation, deren Sedimentationsschichten wie gestapelte Pfannkuchen aussehen. Angeblich gibt es unter guenstigen Bedingungen auch Blowholes zu sehen, aber wir kommen leider gerade zur falschen Zeit.
Sven und Rike bewundern die Aussicht.
Wir wollen noch mehr sehen, aber Maarten kehrt heim, da ihm nicht gut ist. Zusammen mit Rike und Sven laufe ich zum Startpunkt eines 3-stuendigen Wanderwegs, der durch den Regenwald fuehrt. Der Weg ist zwar nicht besonders anspruchsvoll, aber wunderschoen, da alles durch das Moos wie mit einem dichten Teppich bewachsen ist.
Es ist recht warm und so suchen wir nach Moeglichkeiten, um uns abzukuehlen.
Wir erspaehen einen Gebirgsbach, krabbeln/klettern die Boeschung hinab und setzen uns auf grosse Felsen im Fluss, wo wir dann unsere Fuesse ins kalte Nass halten.
Nach 40 Minuten Pause laufen wir den Rest des Weges und kehren zum Hostel zurueck, wo wir nach einem kurzen Abendessen so viele Informationen wie moeglich ueber die Reiseziele der Suedinsel aus den anderen Backpackern holen. Anschliessend spielen wir bis spaet in die Nacht Jenga und lernen so Miguel (20 J., Deutschland) kennen.