Dienstag, 16. September 2014

Luxus und Kitsch: von Kommeno zum Cape Drastis

Da wir Bargeld abheben müssen, fahren wir ins "Zentrum" von Gouvia und stellen fest, dass es hier auch nur Touristen-Läden gibt. Wir kaufen uns eine Schnorchel-Ausrüstung und fahren dann nach Kommeno.
Zentrum von Gouvia
Kommeno ist ein Ort nördlich von Kerkyra, in dem die sehr gut betuchten Bürger leben. Große Villen sind so dicht an der kleinen Straße gedrängt, dass nicht einmal zwei Autos aneinander vorbei passen. Deswegen hat hier jede Hofausfahrt eine eigene Ampel.
Wir fahren die steile Straße immer weiter hoch und machen vor einem Restaurant halt. Von hier blicken wir etwas neidisch auf den Badestrand des unten gelegenen Ressorts. Die freundlichen Restaurantbesitzer verraten uns, dass es einen versteckten Zugang zum Strand gibt und prinzipiell sowieso alle Strände "public" seien; wir dürfen uns nur nicht auf dort bereit gestellte Liegen legen.
Nach einer kleinen Kraxeltour durch diverse Hinterhöfe am Strand angelangt treffen wir auf viele, äußerst unzufrieden wirkende Touristen, die auf ihren Premium-Liegen in der Sonne brutzeln. Wie kann man denn im Urlaub so schlechte Laune haben?
Luxus-Leben im Ressort
Wir schnorcheln ein wenig mit Hilfe der Luftmatratzen und müssen feststellen, dass es nicht wirklich etwas zu sehen gibt. Der Bootsverleih bietet auch keine Beschäftigungsalternative, da dort pro Boot bescheidene 60 EUR für 30 Minuten Fahrt verlangt werden.
Wir verlassen den Strand, genehmigen uns bei dem freundlichen Restaurant eine Portion Pasta mit absolut frischen Meeresfrüchten und fahren weiter nach Sidari.
Frischer geht es nicht
Sidari ist ein Touristendorf im Nordwesten der Insel. Hier sind hauptsächlich Engländer zu finden. Da wir nichts Spannendes entdecken, geht es weiter nach Peroulades - dem "nordwestlichen Kap" der Insel; genannt "Cape Drastis".
Wir bewundern die steilen Steinküsten und entdecken einen winzigen Strand am Fuße des Abhangs.

Versteckte Strände an der Felsküste
Wir wollen das Kap besichtigen und folgen dem schmalen, steilen Sandweg. Cape Drastis präsentiert sich mit scharfen Kämmen und skurrilen Sandsteinklippen. Der Weg zur Spitze des Kaps ist gesperrt; zumindest sehen wir nicht ein, fast 8 EUR pro Person für ein paar Fotos zu bezahlen.
Cape Drastis
Wir kehren um und setzen uns in die praktisch gelegene Bar "Sunset Beach". Hier ist wirklich alles auf den abendlichen Sonnenuntergang ausgelegt. Jeder Stuhl und jede Schaukel zeigt nach Westen. Chillige Beats und kühle Cocktails sorgen für eine sehr entspannte Atmosphäre.
 Mission "Sundowner" erfolgreich abgeschlossen
Im Dunklen fahren wir die engen Straßen wieder zurück und schaffen es gerade noch so zum Abendessen im Hotel zu einer Portion Pastitsa. Wir sind erschöpft aber glücklich; leider werden wir nachts von rücksichtslosen Sachsen wach gehalten, die sich lautstark im Flur unterhalten.

Montag, 15. September 2014

Von Kultur keine Spur

Heute wollen wir uns die Kulturstätten rund um Kerkyra anschauen. Wir gehen in dem benachbarten, "lustig organisierten" Supermarkt einkaufen und tauschen dann am Flughafen unser Auto gegen ein anderes ein, da die Zentralverriegelung nicht mehr funktioniert.
Wir erhalten als Ersatz einen vollkommen zerkratzten Ford Focus, der tatsächlich mit fast leerem Tank übergeben wird. Wir haben also ein vollgetanktes Auto gegen ein leeres eingetauscht und bekommen von Enterprise nicht einmal eine Entschädigung angeboten - "End of season".
In Korfu-Stadt soll es drei Ausgrabungsstätten geben. Wir fahren in den Stadtteil Kanoni und suchen vergeblich nach einer entsprechenden Beschilderung. Enge Einbahnstraßen ohne Parkmöglichkeit und viele freche Rollerfahrer gestalten die Suche entsprechend stressig. Wir erhaschen nur einen kurzen Blick auf die römischen Bäder, bevor wir hupend wieder zur Eile gedrängt werden.
Flugzeuge sind das Highlight von Kanoni
Diese Kirche mit Bootsanleger ist das einzige Kulturgut weit und breit.
Ziemlich frustriert machen wir an einem Restaurant halt, dass mit Snacks und Fluglärm wirbt, da von hier aus jedes ankommende und wegfliegende Flugzeug beobachtet werden kann. Die überforderten Kellner können uns auch nicht sagen, wo hier die Ausgrabungsstätten sind. Wie geht denn so etwas?
Derart irritiert fahren wir mit dem Auto die Ostküste entlang in Richtung Süden. Der Hotelmanager hatte uns am Morgen den angeblich schönen Strand von Issos empfohlen und so steuern wir diesen an.
Empfangen werden wir dort von lauter Ballermann-Musik und einer Batterie Liegestühle mit Sonnenschir; alles ist auf Massentourismus ausgelegt. Wir legen uns etwas abseits in die pralle Sonne und wagen uns auch ins Wasser.Das Meer riecht hier etwas streng und die starke Strömung erfordert Sportsgeist, um auf derselben Stelle zu bleiben.
Wir bleiben nicht lange und begeben uns zum Nahe gelegenen Korissia Lake, der angeblich traumhaft schön sein soll.
"The circle of life..."
Die Dünen scheinen bei Reitern sehr beliebt zu sein.
Der Weg dorthin führt zu Fuß durch viele Dünen mit Pferdespuren; bis auf den Wind ist es hier angenehm still. Zumindest von unserem Standpunkt aus ist der See jetzt eher eine Art unspektakuläres Moor. Wir nehmen es gelassen und betrachten den Sonnenuntergang, bevor wir umkehren.
Der Korssia Lake ist eher unspektakulär.
 
Der Rückweg gestaltet sich als deutlich schwieriger als angenommen. Wieder gibt es keine vernünftige Beschilderung; Navigationssysteme funktionieren auf Korfu nicht und so verbringen wir eine ungewollte Stunde extra auf den verqueren Straßen rund um Kerkyra, bis wir endlich unser Hotel mit dem Abendmahl "Soufriki" erreichen.

Sonntag, 14. September 2014

Baden in Paelokastritsa

Nach einem gemütlichen Tagesbeginn am Pool zieht es uns bei fantastischen Temperaturen von ca. 29°C an den Strand. Also fahren wir mit unserem zerbeulten Gefährt nach Paleokastritsa.
Der Ort hat neben einem schwer aussprechbarem Namen vor allem einen langen Sandstrand, diverse Bootsverleihe und kleinere Hotels, die sich allesamt dicht an die einzige Straße quetschen.
Der Strand selbst ist ziemlich voll. Neben herrlich blauem Wasser gibt es auch eine interessant geformte felsige Bucht, deren Form von oben an ein Herz erinnert.
Der Hauptstrand von Paleokastritsa ist auch in der Nebensaison gut gefüllt.
Felsbucht von Paleokastritsa
Wir finden einen nicht so vollen Nebenstrand (gerade mal 30 Gäste brutzeln in der Sonne) und stellen das Auto ab, welches nun scheinbar über eine sehr trotzige Zentralverriegelung verfügt. Na super, da müssen wir also schon wieder nach Kerkyra. :-(
Der Strand sieht zwar hübsch aus, hat aber viele sehr spitze Steine, die mich bei jedem Schritt zu einem Fakir werden lassen. An einem Touri-Stand kaufen wir Luftmatratzen und Handtücher, während die ca. 80jährige Verkäuferin mit lauter Bewunderung den Bauch meiner schwangeren Freundin streichelt. Bislang haben wir noch keine andere Schwangere auf der Insel gesehen - bleiben die Korfioten zu Hause, wenn sie schwanger sind?
Mit Matratzen bewaffnet ist der Strand erträglich und wir planschen bis in den Abend hinein im warmen Wellengang. Danach fahren wir nach Lakones, da es dort gute Aussichtspunkte geben soll.
Ausblick von Lakones auf die Bucht vor Paleokastritsa.
 
Der Weg nach Lakones führt über viele ungesicherte Haarnadelkurven, die sich durch zahllose Olivenhaine schlängeln. Oft passt nur ein Auto gleichzeitig auf die schmale Straße und es sind nur die Touristen, die vorsichtig schauen, wer fahren darf.
Endlich erreichen wir das erhöht gelegene Dörfchen, das aus vielleicht 4 Häusern und dafür aber gleich 3 Panorama-Restaurants besteht. In einem der Restaurants lassen wir uns nieder und bestaunen  bei einer Portion Moussaka die Aussicht auf die Bergdörfer, Buchten und ein Kloster auf der Spitze eines Hügels, bevor wir kurz nach Sonnenuntergang den Rückweg antreten.
Das "Paleokastritsa Monasteryi" Kloster
Isolierte Bergdörfer wie dieses sind hier keine Seltenheit.

Samstag, 13. September 2014

Auf zum Kap im Norden!

Wir beginnen den Tag mit Schwimmen und Entspannen im Pool, bevor es dann gegen Mittag in Richtung Norden losgeht.Zuerst fahren wir durch die kleinen Strandstädte Dassia und Ipsos, die nur aus einer Hauptstraße, einem Strand und Bistros bestehen.
Wir fahren weiter zum Bergdorf Kato Korakiana, wo wir etwas zu Essen suchen. Leider gibt es hier nur Touristenfallen oder verschlossene Restaurants. Außerhalb der Saison lohnt es sich hier wohl nicht, mittags den Restaurantbetrieb zu unterhalten.
In dem ebenfalls winzigen Dörfchen Ano Korakiana finden die eine gemütliche Familientaverne "Le Grand Balcon" mit Ausblick auf den Strand von Ipsos, wo ich frischen Tintenfisch serviert bekomme.
Es geht weiter nordwärts die Passstraße entlang in Richtung Spatilas. Auch wenn wir die angeblich vorhandenen Aussichtspunkte nicht finden können, so ist es trotzdem eine sehr spannende Bergstrecke, der wir bis nach Acharavi folgen.
Wir fahren weiter zum Strand von Agios Spiridonas. Da jedoch bereits allmählich die Sonne untergeht und der Strand nicht gerade herausragend ist, spazieren wir weiter und finden den Eingang zu einem "Naturreservat", das mit einer Reihe von Fischzuchtbecken beginnt.
Wir betreten den schmalen Feldweg und begeben uns so entlang von kleinen Wiesen mit frei laufenden Ziegen und Schafen bis zum Cape Agios Ekaterinis, dem nördlichsten Punkt der Insel. Hier sitzen nur ein paar Angler an dem ansonsten verlassenen Strand. Wir beobachten Sonnenuntergang so lange bis uns die Kombination aus Dunkelheit und aufdringlichen Mückenschwärmen zu viel wird.
Die Rückfahrt führt uns an Kassiopi, Nissaki und Ipsos vorbei. Die kleinen Dörfer sind hübsch beleuchtet und es herrscht eine ruhige, fast schon verträumte Stimmung. Auffällig sind hierbei die Griechinnen, die durchweg äußerst schick angezogen sind (ich werde so schnell das Bild nicht mehr los von einer Griechin, die mitten im Wald mit High Heels, Cocktailkleid und Turmfrisur ihren Hund ausgeführt hat).
Wieder im Hotel lassen wir den schönen Tag mit Souvlaki ausklingen.

Freitag, 12. September 2014

Kaiser's Throne und Ermones Beach

Der Tag beginnt auch heute mit Regen und so verbringen wir bis 12:00 Uhr die Zeit mit Lesen und Fotos, bis wir mit dem Bus in die Stadt fahren.
Wir spazieren entlang der neuen Festung und bestaunen den Zustand der Häuser: von vielen Gebäuden steht teilweise nur noch die Außenfassade, während darin bereits die Natur viel Land zurück gewonnen hat.
Von vielen Häusern existiert nur noch die Fassade.
 
In der Innenstadt gibt es viele Katzen, denen es jedoch gut zu gehen scheint.
Wir kehren in einer kleinen, urigen Taverne in einer unscheinbaren Seitengasse der Innenstadt ein und werden vom engagierten Familienbetrieb fantastisch bedient. Diese Taverne scheint alleine auch deshalb gut zu sein, weil hier hauptsächlich Einheimische gemütlich den Tag verbringen.
 
Heute steht bei uns die Abholung des Mietwagens auf dem Plan und so gehen wir wieder zur zentralen (und einzigen) Bushaltestelle. Leider gibt es nur einen Bus zum Flughafen und der fährt erst in zwei Stunden. "Kein Problem, wird es halt ein Taxi" denken wir uns und haben falsch gedacht.
Es gibt auf den schmalen Straßen keine Taxistände und die wenigen Taxen, die wir sehen sind schon besetzt. Trotz Hauptstraße und regem Verkehr warten wir fast 20 Minuten, bis wir endlich ein Taxi finden.
 
 
Die kleinste Autovermietung, die ich je gesehen habe.
Nach vier Minuten Fahrt sind wir am Ziel, um 10 EUR ärmer und um die Erfahrung reicher, dass wir die Strecke besser hätten laufen können und Taxifahrer auch hier ganz schön frech sind.
Die Autovermietung ist ein winziger Kasten von Enterprise mitten im Flughafen. Als Auto bekommen wir einen reichlich verbeulten Fiat Panda mit leerem Tank. "End of season" hören wir den Mitarbeiter erklärend sagen, der gedanklich vermutlich schon die Saison ohne Touristen herbei sehnt.
Derart mobilisiert fahren wir erst einmal von der Ost- zur Westküste nach Pelekas.
Hier gibt es sehr viele Olivenbäume und den Aussichtspunkt "Kaiser's Throne" von dem aus ein 360° Blick über den Großteil der Insel möglich ist.
Ausblick vom "Kaiser's Throne"
 
Olivenbäume so weit das Auge blickt
Wir fahren weiter nach Ermones Beach - einem Strand mit vielen Algen und groben Steinen. Wir lernen einen Angler kennen, der mit seinem kleinen Motorboot fischen geht und ich folge einem schmalen Pfad, der an der Küste entlang führt. Der Pfad endet im Nichts und ist insgesamt eher unspektakulär.
Blick auf den "Ermones Beach"
Algen und grobe Steine am Ermones Beach
 
Am Strand genießen wir den Sonnenuntergang auf Liegestühlen mit einem Eis in der Hand bis es dunkel wird. Entlang der kurvigen Straßen mit der schlechten Beschilderung wieder zurück ins Hotel gefahren, erwartet uns dort das Abendessen in Form eines so übel frittierten Fisches, dass dieser nur noch nach Pannade schmeckt.
 
 

Donnerstag, 11. September 2014

Und dann kam der Regen: Kerkyra mal anders

Da wir gestern einen aktiven Tag hatten, steht für heute hauptsächlich Entspannung und Kultur auf dem Programm. Am Pool bleiben wir nicht lange, da rasch dunkle Wolken und etwas Nieselregen aufkommen.
Wir lassen uns die Laune nicht vermiesen und erkunden die kleine Stadt Gouvia, in der auch unser Hotel gelegen ist. Im Grunde gibt es nur eine große, dreispurige Hauptstraße und verstreute Geschäfte.
Wir peilen den Strand an, können diesen aber nicht finden; es gibt keine Beschilderung und der Weg führt an der Hauptstraße entlang. Ohne Bürgersteig dicht neben LKWs und Motorrollern spazieren zu gehen ist zwar romantisch gesehen schwer zu überbieten, wurde aber dann doch noch durch starken Regen getoppt.
An einer ungeschützten Bushaltestelle steigen wir in den nächsten Bus in Richtung Kerkyra. Kaum sind wir im Zentrum, ergießt sich ein wahrer Platzregen auf die völlig überraschten Touristen. Wir flüchten in ein nahe gelegenes Restaurant und beobachten mit Staunen, wie der sonst in der Sonne badende Platz mit einem Mal Ort eines anderen Schauspiels wird: Flüchtende, fluchende Scharen von Menschen, die verzweifelt einen Unterstand suchen; modisch bekleidete Frauen, die entdecken, dass weiß zwar schick aber bei Regen unter Umständen etwas unvorteilhaft ist und Café-Besitzer mit Euro-Zeichen in den Augen.
Seltener Anblick: Kerkyra im Regen
Wir schaffen es irgendwie das wirklich miese Essen zu verdrücken und peilen bei dem etwas abklingendem Regen das Museum für asiatische Kunst an. Kaum verlassen wir unseren hart erkämpften Sitzplatz, legt der Regen wieder los und wir flüchten quer durch die Innenstadt.
Fast schon irrwitzig finde ich, wie die Standverkäufer mit erstaunlicher Geschäftigkeit die Sonnenbrillen gegen Mini-Regenschirme austauschen. Ein Schirm für 6 EUR, der so billig ist, dass er schon nach ca. 10 Minuten auseinander fällt.
Wir quetschen uns auf den schmalen, überspülten Gehwegen unter jede Markise und nähern uns grob dem Museum. Da auch dieses schlecht bis gar nicht ausgeschildert ist, treffen wir dort ca. 15:30 Uhr ein; nur um direkt vor der Nase die Tür verschlossen zu bekommen. Scheinbar ist man auch hier nicht unbedingt auf Touristen angewiesen.
Gefangen im Regen stehen wir mit anderen Touristen vor dem verschlossenen Museum.
...aber muss sich ja die Laune nicht verderben lassen. :-)
Trotz Regencape durchnässt und ziemlich enttäuscht harren wir mit anderen Touristen unter einem Steindach aus, bis der Regen zumindest etwas abklingt. Es gibt nur eine Bushaltestelle im Zentrum mit nur einer Buslinie in Richtung Hotel. Der Bus ist rappelvoll, die Scheiben sind beschlagen und die Stimmung insgesamt eher mau.
Endlich wieder im Hotel machen wir es uns mit Oliven und Brotchips vor dem Notebook gemütlich und schauen die ersten Urlaubsfotos an. Hoffentlich wird es morgen freundlicher!

Mittwoch, 10. September 2014

Sightseeing in Korfu-Stadt (Kerkyra)

Die Nacht auf den durchgelegenen Betten war furchtbar und so stehen wir verhältnismäßig früh auf. Der Portier (vermutlich das Familienoberhaupt) verspricht uns ein neues Zimmer. Im Frühstücksraum finden wir ca. 20 andere Gäste, die sich an den frischen Früchten und etwas Aufschnitt bedienen.
Im Gegensatz zu zwei Engländern, die sich entrüstet über die schmale Auswahl beschweren, freuen wir uns über das hervorragende Wetter und warten am Pool darauf, dass unser neues Zimmer bereit ist.
Mit einem neuen, deutlich angenehmerem Zimmer im Gepäck zieht es uns gen Korfu-Stadt, die hier Kerkyra heißt. Da wir noch keinen Mietwagen haben, laufen wir den Hügel hinab zur unscheinbaren Bushaltestelle. Der Weg dorthin ist gesäumt von Olivenbäumen, kleinen Wiesen und ziemlich marode wirkenden Villen.
Olivenbäume stehen an wirklich jeder Ecke

Der Bus ist komplett voll mit Einheimischen und Touristen. Es gibt keine Durchsagen und keine Anzeige der nächsten Haltestelle in dem alten Stadtbus, der bis zum Ende des TÜVs in Deutschland herum gefahren ist.
Wir springen irgendwann an einem belebten Platz mit dem größten Menschenstrom heraus in den nächsten Menschenstrom. Die Sonne steht hoch am Himmel, es ist ca. 27°C  warm und um uns herum surrt das Leben: Touristen sitzen in zahllosen Bistros, Autos quetschen sich hektisch durch die engen Straßen und irgendwie schaffen es schier endlose Rollerfahrer, sich dazwischen zu drängeln und nicht umgefahren zu werden.

Wir flüchten etwas aus dem Trubel mit den vielen Touristenständen und gehen durch viele Seitenstraßen und Gassen. Alles ist etwas windschief gebaut, Kabel sämtlicher Art hängen improvisiert überall und jede freie Fläche ist zugebaut.
Schiefe, enge Gassen machen den Spaziergang spannend.

Plötzlich erreichen wir das Meer: eine Vielzahl von Yachten schwankt sachte auf absolut klarem Wasser, während sich im Hintergrund eine große, steinerne Festung erhebt. Am Wasser entlang gehend erreichen wir einen winzigen Park mit einem Bistro. Die Bedienung ist ziemlich lustlos/gemächlich und alles hier strahlt absolute Ruhe aus.
Blick auf die alte Festung


Ich lasse mir eine Spinada schmecken (leckere Fleischbällchen), döse etwas in der Sonne und gehe dann durch weitere Gassen Richtung Zentrum.
Die kleinen Straßen hier sind sehr ansehnlich und meistens verkehrsberuhigt. Am "Town Hall Square" ist das Touristenaufkommen deutlich höher. Hier gibt es auch Seitengassen und kleine Straßen, aber diese haben nichts ursprüngliches mehr: jeder Centimeter ist voll mit Geschäften, die Souvenirs oder Handtaschen verkaufen - wirklich alles hier ist auf den Fähren-Tourismus ausgelegt.

Installationen wie diese säumen fast überall die Wände

Am Ende der Gassen wieder das Meer - diesmal mit einer anderen Festung (wie viele gibt es hier davon?). Am Hafen legt gerade eine AIDA an und entleert einen gewaltigen Schwung von etwa 4.000 Touristen in die Stadt. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 40.000 sind drei Fähren gleichzeitig eine echte Veränderung des Stadtbildes.


Der "Town Hall Square": Prunk und Verfall

Die soeben gesichtete Festung ist die "neue Festung". Der Weg führt auf Steinplatten mit versteinerten Korallen immer weiter hinauf, bis uns ein Schild signalisiert, dass die Festung in 10 Minuten geschlossen wird. Wir nutzen den Moment, gehen weiter und werden mit einem weiten Blick auf die bunten Gassen, Häuser und Kirchen belohnt.
Interessanter Fußboden mit versteinerten Lebensformen
Blick auf Kerkyra von der neuen Festung aus mit Blick auf die alte Festung
Die Stadt selbst ist Unesco-Weltkulturerbe und so sind es hier tatsächlich noch die Kirchen, welche die höchsten Gebäude darstellen.
Ein Stückchen weiter oben kann der innere Teil der Festung betreten werden. Wir mogeln uns durch eine versteckte Gasse am Eingang vorbei (schließlich ist die Festung offiziell bereits geschlossen) und genießen beim Gang entlang der Festungsmauer den tollen Blick auf die Stadt.
Die Festung selbst kann begangen werden. In halbdunklen Räumen mit Schießscharten in den massiven Wänden wird deutlich, wie oft sich die Insel in der Vergangenheit gegen Angreifer behaupten musste.
Massive Mauern und Schießscharten säumen den Weg
Trost- und lustlose Innenräume der neuen Festung
Leider hat Korfu aber nichts aus der Festung gemacht. An der Decke hängen lieblos Halogenstrahler und die Räume sind komplett leer; vereinzelt mit leeren Glasvitrinen versehen. Eine Holzleiter führt auf die oberste Ebene. Hier gibt es zwar nichts Neues zu sehen, dafür ist aber der 360° Blick auf das gesamte Kerkyra ein Erlebnis.
Wieder im Festungshof genießen wir noch einen Cocktail mit Meeres-Panorama. Dass hier etwas geschlossen sein soll, ist nicht ersichtlich (vermutlich ist das Schild einfach schlecht ins Englische übersetzt worden und somit wurde eine weitere Chance vertan, etwas aus der Festung zu machen), aber wir genießen die Ruhe an einem so fantastischen Ort.
Die meisten Gebäude wirken ziemlich "ungepflegt".
 In der Stadt besuchen wir noch einen kleinen Supermarkt, der viele Meerestiere anbietet - hier können tatsächlich Oktopusarme gekauft werden!
Es ist Abend und wir fahren mit dem erneut überfüllten Bus zurück. Da es wieder keine Anzeigen/Durchsagen gibt, wo wir gerade sind, steigen wir einfach irgendwann aus. Zu früh. Der Weg zum Hotel ist noch ein gutes Stück und so tragen wir die schweren Einkäufe in dünnen Plastiktüten, während wir den teilweise ca. 20cm breiten Fußweg entlag der Hauptstraße in Richtung Gouvia laufen. Wir laufen an vier Pelzhändlern vorbei - ein weiteres Zeichen dafür, dass hier wirklich alles auf den Fähren-Tourismus ausgelegt ist (was soll denn hier jemand mit einem Pelzmantel anfangen?).
Ein Hardun (korfiotisch "Skoutzikas") badet in der Sonne.

Das Abendessen im Hotel ist eher unspektakulär: Patissada ist ein Gericht aus grob gehacktem Rindfleisch mit Nudeln und Tomatensauce. Ich will den oft besungenen Griechischen Wein probieren und darf immerhin zwischen "red wine" und "white wine" wählen. Mit einem Schmunzeln über die große Auswahl fallen wir ins Bett und beschließen, morgen etwas Ruhiges zu unternehmen.