Mittwoch, 10. September 2014

Sightseeing in Korfu-Stadt (Kerkyra)

Die Nacht auf den durchgelegenen Betten war furchtbar und so stehen wir verhältnismäßig früh auf. Der Portier (vermutlich das Familienoberhaupt) verspricht uns ein neues Zimmer. Im Frühstücksraum finden wir ca. 20 andere Gäste, die sich an den frischen Früchten und etwas Aufschnitt bedienen.
Im Gegensatz zu zwei Engländern, die sich entrüstet über die schmale Auswahl beschweren, freuen wir uns über das hervorragende Wetter und warten am Pool darauf, dass unser neues Zimmer bereit ist.
Mit einem neuen, deutlich angenehmerem Zimmer im Gepäck zieht es uns gen Korfu-Stadt, die hier Kerkyra heißt. Da wir noch keinen Mietwagen haben, laufen wir den Hügel hinab zur unscheinbaren Bushaltestelle. Der Weg dorthin ist gesäumt von Olivenbäumen, kleinen Wiesen und ziemlich marode wirkenden Villen.
Olivenbäume stehen an wirklich jeder Ecke

Der Bus ist komplett voll mit Einheimischen und Touristen. Es gibt keine Durchsagen und keine Anzeige der nächsten Haltestelle in dem alten Stadtbus, der bis zum Ende des TÜVs in Deutschland herum gefahren ist.
Wir springen irgendwann an einem belebten Platz mit dem größten Menschenstrom heraus in den nächsten Menschenstrom. Die Sonne steht hoch am Himmel, es ist ca. 27°C  warm und um uns herum surrt das Leben: Touristen sitzen in zahllosen Bistros, Autos quetschen sich hektisch durch die engen Straßen und irgendwie schaffen es schier endlose Rollerfahrer, sich dazwischen zu drängeln und nicht umgefahren zu werden.

Wir flüchten etwas aus dem Trubel mit den vielen Touristenständen und gehen durch viele Seitenstraßen und Gassen. Alles ist etwas windschief gebaut, Kabel sämtlicher Art hängen improvisiert überall und jede freie Fläche ist zugebaut.
Schiefe, enge Gassen machen den Spaziergang spannend.

Plötzlich erreichen wir das Meer: eine Vielzahl von Yachten schwankt sachte auf absolut klarem Wasser, während sich im Hintergrund eine große, steinerne Festung erhebt. Am Wasser entlang gehend erreichen wir einen winzigen Park mit einem Bistro. Die Bedienung ist ziemlich lustlos/gemächlich und alles hier strahlt absolute Ruhe aus.
Blick auf die alte Festung


Ich lasse mir eine Spinada schmecken (leckere Fleischbällchen), döse etwas in der Sonne und gehe dann durch weitere Gassen Richtung Zentrum.
Die kleinen Straßen hier sind sehr ansehnlich und meistens verkehrsberuhigt. Am "Town Hall Square" ist das Touristenaufkommen deutlich höher. Hier gibt es auch Seitengassen und kleine Straßen, aber diese haben nichts ursprüngliches mehr: jeder Centimeter ist voll mit Geschäften, die Souvenirs oder Handtaschen verkaufen - wirklich alles hier ist auf den Fähren-Tourismus ausgelegt.

Installationen wie diese säumen fast überall die Wände

Am Ende der Gassen wieder das Meer - diesmal mit einer anderen Festung (wie viele gibt es hier davon?). Am Hafen legt gerade eine AIDA an und entleert einen gewaltigen Schwung von etwa 4.000 Touristen in die Stadt. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 40.000 sind drei Fähren gleichzeitig eine echte Veränderung des Stadtbildes.


Der "Town Hall Square": Prunk und Verfall

Die soeben gesichtete Festung ist die "neue Festung". Der Weg führt auf Steinplatten mit versteinerten Korallen immer weiter hinauf, bis uns ein Schild signalisiert, dass die Festung in 10 Minuten geschlossen wird. Wir nutzen den Moment, gehen weiter und werden mit einem weiten Blick auf die bunten Gassen, Häuser und Kirchen belohnt.
Interessanter Fußboden mit versteinerten Lebensformen
Blick auf Kerkyra von der neuen Festung aus mit Blick auf die alte Festung
Die Stadt selbst ist Unesco-Weltkulturerbe und so sind es hier tatsächlich noch die Kirchen, welche die höchsten Gebäude darstellen.
Ein Stückchen weiter oben kann der innere Teil der Festung betreten werden. Wir mogeln uns durch eine versteckte Gasse am Eingang vorbei (schließlich ist die Festung offiziell bereits geschlossen) und genießen beim Gang entlang der Festungsmauer den tollen Blick auf die Stadt.
Die Festung selbst kann begangen werden. In halbdunklen Räumen mit Schießscharten in den massiven Wänden wird deutlich, wie oft sich die Insel in der Vergangenheit gegen Angreifer behaupten musste.
Massive Mauern und Schießscharten säumen den Weg
Trost- und lustlose Innenräume der neuen Festung
Leider hat Korfu aber nichts aus der Festung gemacht. An der Decke hängen lieblos Halogenstrahler und die Räume sind komplett leer; vereinzelt mit leeren Glasvitrinen versehen. Eine Holzleiter führt auf die oberste Ebene. Hier gibt es zwar nichts Neues zu sehen, dafür ist aber der 360° Blick auf das gesamte Kerkyra ein Erlebnis.
Wieder im Festungshof genießen wir noch einen Cocktail mit Meeres-Panorama. Dass hier etwas geschlossen sein soll, ist nicht ersichtlich (vermutlich ist das Schild einfach schlecht ins Englische übersetzt worden und somit wurde eine weitere Chance vertan, etwas aus der Festung zu machen), aber wir genießen die Ruhe an einem so fantastischen Ort.
Die meisten Gebäude wirken ziemlich "ungepflegt".
 In der Stadt besuchen wir noch einen kleinen Supermarkt, der viele Meerestiere anbietet - hier können tatsächlich Oktopusarme gekauft werden!
Es ist Abend und wir fahren mit dem erneut überfüllten Bus zurück. Da es wieder keine Anzeigen/Durchsagen gibt, wo wir gerade sind, steigen wir einfach irgendwann aus. Zu früh. Der Weg zum Hotel ist noch ein gutes Stück und so tragen wir die schweren Einkäufe in dünnen Plastiktüten, während wir den teilweise ca. 20cm breiten Fußweg entlag der Hauptstraße in Richtung Gouvia laufen. Wir laufen an vier Pelzhändlern vorbei - ein weiteres Zeichen dafür, dass hier wirklich alles auf den Fähren-Tourismus ausgelegt ist (was soll denn hier jemand mit einem Pelzmantel anfangen?).
Ein Hardun (korfiotisch "Skoutzikas") badet in der Sonne.

Das Abendessen im Hotel ist eher unspektakulär: Patissada ist ein Gericht aus grob gehacktem Rindfleisch mit Nudeln und Tomatensauce. Ich will den oft besungenen Griechischen Wein probieren und darf immerhin zwischen "red wine" und "white wine" wählen. Mit einem Schmunzeln über die große Auswahl fallen wir ins Bett und beschließen, morgen etwas Ruhiges zu unternehmen.

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