Freitag, 2. November 2012

Halbzeit

Wegen des etwas trueben Wetters mache ich heute mal nichts Besonderes. Ich hole die nicht erfasste Zeit im Tagebuch nach, schaue mir in der Innenstadt am hellichten Tag einen Horrorfilm an (und bin dabei fast alleine im Kino) und schlendere durch die belebte Innenstadt.
Da nutze ich doch mal die Gelegenheit fuer ein Zwischenfazit im Internetcafe:

Ich bin jetzt einen Monat lang in NZ und habe somit die Haelfte meines Urlaubs hinter mir. Rueckblickend gibt es einige Dinge, die mich beschaeftigen:

  • Die Menschen hier sind wirklich deutlich freundlicher und hilfsbereiter als in Deutschland. Das ist schon ziemlich ernuechternd. Ich hoere von ueberall, dass die Menschen auf der Suedinsel noch freundlicher sein sollen, kann mir aber derzeit keine (ertraegliche) Steigerung vorstellen.
  • Es hat eine Weile gedauert, aber ich habe mittlerweile den Linksverkehr verinnerlicht, sodass ich nicht mehr an jeder dritten Kreuzung beinahe ueberfahren werde. Auch das Autofahren hat besser geklappt, als ich urspruenglich angenommen habe.
    Die an und fuer sich logische Schlussfolgerung ergab sich mir etwas spaeter: auch die Fussgaenger tendieren hier zur linken Seite. :-)
  • Es sind erschreckend viele Deutsche in den Hostels. Somit sprechen die meisten Deutschen (die uebrigens im Schnitt ca. 19 Jahre alt sind) auch schoen bequem ihre Heimatsprache, was dem Auslandsaufenthalt meiner Meinung nach einen Teil des besonderen Flairs raubt.
  • Nahrungsmittel sind erschreckend teuer, die Kuechen sind meist nur spaerlich ausgestattet (es gibt oft nicht einmal Salz) und so verfallen viele Backpacker in eine Art Spaghetti-Reis-Trance. Vernuenftige Gerichte lassen sich nur zubereiten, wenn man in einer kleinen Gruppe kocht oder ein Auto besitzt, um die Reste der gewaltigen Portionen transportieren zu koennen.
  • Ich brauche noch etwas, um mich an das allgegenwaertige "How are you?" zu gewoehnen. In Deutschland habe ich mich auch immer gegen ein uninteressiertes "Wie geht's?" gewehrt, aber hier kann ich dem nicht entkommen. Es gibt nur eine Standardantwort: "Good. And you?"
    Sogar beim Passieren von absoluten Unbekannten wird dieser Satz gesagt und das Antwortspiel gespielt. Ich habe auch schon hektische Menschen im Supermarkt erlebt, die diese Floskeln abgekuerzt haben und dem Gegenueber die Antwort gleich abnehmen: "How are you? Good."
  • Die Stimmung in den Hostels ist stark davon abhaengig, wie die Kueche und der allgemeine Wohnraum organisiert sind. Je weitlaeufiger diese verteilt sind, um so unpersoenlicher ist die Stimmung und um so schwieriger ist es, Kontakte zu knuepfen.
  • Ich bin mittlerweile ganz gut im Backpackerleben drin. Ich weiss, wie ich meinen Rucksack packen muss, habe einen vernuenftigen Rhythmus fuer Alltagsdinge wie Waesche waschen gefunden und bin deutlich weniger scheu gegenueber neuen Hostels und bestehenden Menschengruppen geworden.
  • Internet ist hier noch immer so etwas wie ein Zauberwort. Die Verbindung ist meistens schlecht, bricht oft zusammen und/oder ist nur gegen gutes Geld verfuegbar. Noch nicht wirklich gewoehnen konnte ich mich an die amerikanische Tastaturbelegung. 
Morgen beginnt mein letzter vollstaendiger Tag auf der Nordinsel. Ich bin wirklich gespannt, wie es weiter geht, wen ich noch kennen lerne und welche Erfahrungen noch auf mich warten...

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